Veröffentlichung von „SM“ (hTMV) am 09.11.2018


„SM“ (Veröffentlichung am 9.11.2018, hTMV Records) besticht durch Dexters elegant modulierende Hooklines. Die im Verbund mit Maik Klotzschs hyperaktiver Funk- Gitarre nunmehr deutlich in Richtung 80er Jahre schielen.
Wer ob dieser Konstellation leicht verdauliche Stangenware erwartet, sieht sich jedoch schwer getäuscht. Jan Kohnerts elegische Stratocaster steigt ruhig und strahlend aus dem engmaschigen Netz aus Akkorden. Während Susann Bähnisch (Bass) und Jochen Gille (Schlagzeug) auf intuitiv- verschlurfende Art jedem noch so vertrackten Groove den höchst eigenen Stempel aufdrücken. (In der Mitte der Platte befindet sich ein Song namens „Mittelsmann“. Da dürften Kenner: „Eindeutig Progrock!“ schreien.)

All das erstaunt besonders, wenn man bedenkt, dass die Anfänge der Band von bittersüßen Liebesliedern mit Punk- Einschlag geprägt waren. In den fast 2 Dekaden Bandgeschichte haben sich die Texte und Texturen allerdings so verfeinert und verseltsamt, dass jede Schublade zum Bersten verdammt ist. Vielleicht irgendwas mit Neo- Chanson. Neo- Chanson- Pop in Kapitalbuchstaben. Wenn es so etwas gibt.

Eindeutig lassen sich die Spuren der Beatles nachweisen. Und Bob Dylans. Darüber hinaus klebt die Spucke des französischen Autorenkinos dran. Und der Spuk tschechischer Kinderserien. Und die verletzlich- verletzende Kühle der Hochbegabten.

Daniel Dexters Texte sind -nicht hingegen, sondern überdies- wirklich schwere Kost: manchmal postmoderne Poesie über die Identität Europas. Manchmal heiße Messer, die man Ex- Geliebten zwischen die Rippen jagt. Und manchmal beides zugleich.
Dann wieder pure Melodie… Pop- Seligkeit in verschwenderischer Menge. So als sei immer alles in Ordnung gewesen. Oder etwa nicht? – Man kann tanzen. Oder zuhören. Oder ganz woanders sein. Egal. Plötzlich haftet sich eine Schrödingers Katze- Liedzeile an die Synapsen. Und geht einfach nicht mehr weg.

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